Ausstellung, 2020 – 2021

»Borries führt einen anderen Begriff von Glück ins Feld.«

Anja Reinhardt, Deutschlandfunk

Wie sähe ein Leben aus, das möglichst folgenlos bleibt? Könnte Folgenlosigkeit ein neues regulatives Ideal werden, wie Freiheit, Gerechtigkeit und Gleichheit, unerreichbar, aber dennoch erstrebenswert? Welche Auswirkungen hätte ein solches Streben auf die materielle und immaterielle Gestaltung unseres Alltags, auf die Wirtschafts- und Sozialordnung, auf unseren Glauben und auf die Art, wie wir miteinander umgehen?

Diese Fragen stellt die „Schule der Folgenlosigkeit“, ein künstlerisch-diskursives Projekt von Friedrich von Borries im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MK&G). Friedrich von Borries verknüpft Sammlungsobjekte mit einem eigens für die Ausstellung eingerichteten Selbstlernraum so, dass eine neue Perspektive auf „Nachhaltigkeit“ entsteht und vermeintlich allgemeingültige Vorstellungen eines „richtigen Lebens“ hinterfragt werden. Besucher*innen können hier im Selbstversuch Entscheidungen abgeben, ihre Hände in Unschuld waschen oder sich im Nichts-Tun üben. Ein diskursives Bildungsprogramm in Form einer App sowie das Stipendium für Nichtstun ergänzen das Projekt.

Die Schule der Folgenlosigkeit ist eine Initiative der HFBK Hamburg in Kooperation mit dem MK&G und wird gefördert durch die Behörde für Wissenschaft, Forschung, Gleichstellung und Bezirke Hamburg (BWFGB), die Hamburg Open Online University (HOOU), die Friede Springer Stiftung, die Kursbuch Kulturstiftung und die Leinemann Kunststiftung Nikolassee und unterstützt von der Hamburg Innovation GmbH. Weitere Partnerinnen sind die Katholische Akademie Hamburg sowie die Evangelische Akademie der Nordkirche. Das diskursive Bildungsprogramm als App ist eine Kooperation der Hochschule für bildende Künste Hamburg (HFBK) und der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) im Rahmen der Hamburg Open Online University (HOOU).

Zugehörige Projekte

Stadt

Hauptstadt der Folgenlosigkeit

Ein ein-jähriges urbanes Spektakel als Erprobungsversuch in freudvoller Unterlassung

Von Mai 2022 bis April 2023 war Heilbronn »Hauptstadt der Folgenlosigkeit«. Unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Harry Mergel organisierte der »Bund der Folgenlosen« mit zahlreichen lokalen Akteur:innen und Institutionen eine Reihe von Ausstellungen, Lesungen, Konzerten, Festen, Performances und Vorträgen, die sich alle um Folgenlosigkeit, Nicht(s)tun und Vermeidung drehten.

Ausstellung

Rechenschaftsbericht

Eine Installation im Kunstverein Heilbronn legt Rechenschaft über die »Hauptstadt der Folgenlosigkeit« ab.

Mit einer mehrteiligen Installation im Kunstverein Heilbronn legen die künstlerischen Leiter der »Hauptstadt der Folgenlosigkeit« – Friedrich von Borries, Tobias Frühauf und Philipp Wolpert – Rechenschaft über Erfolg, Scheitern und Zukunft der urbanen Versuchsanordnung ab. Präsentiert werden Fotografien, Texte, ein Film sowie verschiedene interaktive Stationen, die das zwölfmonatige Projekt künstlerisch reflektieren.

Intervention

Stipendium für Nicht(s)tun

Was würden Sie unterlassen, wenn Sie 5000 Euro bekommen? Das fragte das »Stipendium für Nicht(s)Tun«.

Was würden Sie unterlassen, wenn Sie dafür 5000 Euro bekommen? Das fragte das »Stipendium für Nicht(s)Tun« im Rahmen des Stadt- und Kunstprojektes »Hauptstadt der Folgenlosigkeit« in Heilbronn. Über 200 Leute nahmen teil! Sie gingen der Frage nach, wie ein sinnvolles Leben vor dem Hintergrund von Klimawandel und sozialer Ungleichheit zukünftig aussehen kann - und gründeten schließlich ein »Nicht(s)tun-Kollektiv«.

Film

Die Kunst der Folgenlosigkeit

Ein Film über Nachhaltigkeit und die Aufgabe der Kunst in Zeiten der ökologischen Katastrophe.

Was ist Kunst, was kann, soll sie politisch bewirken? »Die Kunst der Folgenlosigkeit« ist ein Film über die Aufgabe der Kunst in Zeiten der ökologischen Katastrophe. Wie wichtig ist Erfolg und was bedeutet es, ein Leben ohne negativen Folgen zu führen? In einer Collage aus fiktionalen und dokumentarischen Szenen entpuppt sich die »Kunst der Folgenlosigkeit« als ein unmögliches, aber dennoch erstrebenswertes Ideal.

Publikation

Fest der Folgenlosigkeit

Ein Roman über Kunst, Selbstüberschätzung und Gewalt – und ein Museum für ökologische Kunst.

Ein Roman über Kunst, Nachhaltigkeit und ein Museum für ökologische Kunst. Selbstüberschätzung trifft auf Lebensangst, Verzweiflung auf Hoffnung, Aktivismus auf Gewalt. Unerwartete Beziehungen entstehen, die im verschwenderischen »Fest der Folgenlosigkeit« ihren explosiven Höhepunkt finden.

Edutainment

Schule der Folgenlosigkeit (App)

Mit einer App die eigene Folgenlosigkeit durchspielen. Mit Expert:inneninterviews und Tutorialvideos.

Mit einer App die eigene Folgenlosigkeit durchspielen. Die App »Schule der Folgenlosigkeit« wurde in Kooperation mit der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) entwickelt. Kleine Games, Expert:inneninterviews und Tutorialvideos richten sich an alle, die über den Zustand unserer Welt nachdenken – und verstehen wollen, wie die eigene Lebenswirklichkeit mit Klimawandel und gesellschaftlichen Strukturen verbunden ist.

Intervention

Stipendium für Nichtstun

1600 Euro damit man etwas unterlässt. Das »Stipendium für Nichtstun« war Teil der »Schule der Folgenlosigkeit« und hinterfragte die gängigen Mechanismen des Leistungsdenkens. Es lud dazu ein, über die Verbindung der eigenen Lebenswirklichkeit, der gesellschaftlichen Strukturen und dem Klimawandel nachzudenken. Aus 2864 Bewerbungen aus 70 Ländern wurden drei Gewinner:innen wurden ausgewählt.

Publikation

Vorüberlegungen für eine Ethik der Folgenlosigkeit

Wir leben in einer merkwürdigen Zeit, in der gleichzeitig nichts und doch alles möglich zu sein scheint. Vor allem aber leben wir gerade in einer Zeit, in der unser Handeln einem neuen gesellschaftlichem Paradigma unterworfen wird: der Folgenlosigkeit. Der Essay »Vorüberlegungen für eine Ethik der Folgenlosigkeit« gibt Einblick in die dem vielschichtigen Projekt zugrundeliegenden Überlegungen.